Episodes

Wednesday Apr 08, 2026
150 — Wie kommt Neues in die Welt?
Wednesday Apr 08, 2026
Wednesday Apr 08, 2026
Wie kommt Neues in unsere Welt? Ich habe das in früheren Episoden so dahingesagt, teilweise im Kontext der Rolle, die künstliche Intelligenz spielt oder spielen könnte. Aber die Frage ist mir im Hinterkopf geblieben, denn ich bin etwas unzufrieden mit der Art und Weise, wie ich das formuliert habe. Dabei geht es mir nicht um die genaue Definition von Worten, denn da stimme ich mit Popper überein, dass man hier nie an ein Ende kommt:
“the principle of never arguing about words and their meanings, because such arguments are specious and insignificant.”
Ich möchte daher nicht über Definitionen streiten, aber hinter der Frage, wie Neues in die Welt kommt, steckt, glaube ich doch deutlich mehr, als das aus meinen früheren Äußerungen zu erkennen gewesen wäre. Auch diese Episode wird sicher keine endgültige Klärung bringen, besonders nicht im Sinne klarer Worte, aber ich hoffe die Perspektive erweitern zu können und wieder einmal zum Nachdenken anzuregen. In dieser Episode gehe stelle ich folgende Fragen:
Was meine ich eigentlich mit »Neuem« das in die Welt kommt? Ich stelle dann eine Brücken- oder Anker-Theorie vor und illustriere an Beispielen was das konkret bedeutet, wie etwa
- Large Language Models
- wann wurde die erste Dampfmaschine erfunden?
- YouTube
- aber auch Seredipitäten wie den Post Its oder Teflon

Woher kommt nun Neues und vielleicht noch wichtiger, von wem? Das ganze führt uns dann zur Frage, was Innovation und Fortschritt bedeuten?
Hexenmeister oder Zauberlehrling? Die Wissensgesellschaft in der Krise
Das Buch zum Podcast!
Die wesentlichste Frage stellen ich am Ende: wer trägt die Verantwortung und was bedeutet dies für unsere Selbstbestimmung?
»The most basic question is not what is best but who shall decide what is best.«, Thomas Sowell
Referenzen
Andere Episoden
-
Episode 149: Des Pudels Kern, ein Gespräch mit Thomas Pisar
-
Episode 148: Künstliche Vernunft? Ein Gespräch mit Jan Juhani Steinmann
-
Episode 144: Was ist Fortschritt? Ein Gespräch mit Dr. Daniel Stelter aus ökonomischer Perspektive
-
Episode 139: Komfortable Disruption
-
Episode 137: Alles Leben ist Problemlösen
-
Episode 135: Friedrich Hayek und die Beschränktheit der menschlichen Vernunft. Ein Gespräch mit Nickolas Emrich
-
Episode 132: Fragen an die künstliche Intelligenz — eine konstruktive Irritation
-
Episode 125: Ist Fortschritt möglich? Ideen als Widergänger über Generationen
-
Episode 121: Künstliche Unintelligenz
-
Episode 104: Aus Quantität wird Qualität
-
Episode 76: Existentielle Risiken
Fachliche Referenzen
-
Karl Popper, Unended Quest, Routledge Classics (2002)
-
Stuart Kauffman, At Home in the Universe: The Search for the Laws of Self-Organization and Complexity, Oxford University Press (1996)
-
Stuart Kauffman, Reinventing the Sacred: A New View of Science, Reason, and Religion, Basic Books (2010)
-
Film Zurück in die Zukunft (Back to the Future I)
-
Royston M. Roberts, Serendipity. Accidental Discoveries in Science, Wiley Science Editions (1989)
- Stephen Ornes, The Unpredictable Abilities Emerging From Large AI Models, Quanta Magazin (2023)

Sunday Feb 08, 2026
146 — Besser informiert?
Sunday Feb 08, 2026
Sunday Feb 08, 2026
Das ist heute ein Quickie, aber das Thema scheint mir so relevant, dass ich es kurz teilen möchte.
Außerdem möchte ich wieder mit ein paar Fragen zum Ende der Episode zum Nachdenken provozieren. Schicken Sie mir gerne Ihre Ideen dazu, auch gerne via X.
Die Kernfrage, die ich mir in der letzten Zeit in Diskussionen mit guten Journalisten immer wieder stelle ist: sind wir heute besser informiert als früher, also nehmen wir etwa als Vergleichszeitraum die 1960er Jahre an. Oder man sollte vielleicht noch etwas genauer formulieren: wer ist heute besser informiert als früher und wer vielleicht schlechter?
Auslöser war unter anderem ein Artikel von Ted Gioia, auf den ich kürzlich gestoßen bin, der sich im Kern auf einen Artikel einer Gruppe britischer Journalisten bezieht. Und was diese Journalisten herausgefunden haben, ist schon — selbst nach heutigen Maßstäben — abenteuerlich. Gioia schreibt
“There’s disturbing evidence that a growing number of experts cited in the media simply don’t exist. And they are showcased in some of the most prestigious newspapers and online platforms.A group of journalists recently tried to verify the existence of 50 experts featured more than a thousand times in prominent articles. But these people can’t be found in the real world. In many instances, the articles include a photo that appears to be AI-generated.”
und weiter:
It’s a lot easier to create these fake experts than to prove their non-existence.
Sind wir also besser oder schlechter informiert, und wer ist überhaupt »Wir«?
Weitere Zitate der Episode:
»Nullius in Verba!«, Motto der Royal Society
zurückgehend auf Horaz:
»Nullius addictus iurare in verba magistri.«
Hexenmeister oder Zauberlehrling? Die Wissensgesellschaft in der Krise
ist verfügbar! Zum Vertiefen in derartige Themen, sowie um dieses Projekt zu unterstützen!
Andere Episoden
-
Episode 143: Auf Sand gebaut?
-
Episode 138: Im Windschatten der Narrative, ein Gespräch mit Ralf M. Ruthardt
-
Episode 134: Das Werdende, das ewig wirkt und lebt? Transzendent oder Transient
-
Episode 133: Desinformiere Dich! Ein Gespräch mit Jakob Schirrmacher
-
Episode 130: Populismus und (Ordo)liberalismus, ein Gespräch mit Nils Hesse
-
Episode 121: Künstliche Unintelligenz
-
Episode 116: Science and Politics, A Conversation with Prof. Jessica Weinkle
-
Episode 112: Nullius in Verba — oder: Der Müll der Wissenschaft
-
Episode 106: Wissenschaft als Ersatzreligion? Ein Gespräch mit Manfred Glauninger
-
Episode 102: Live im MQ, Verantwortung. Ein Gespräch mit Daphne Hruby
-
Episode 93: Covid. Die unerklärliche Stille nach dem Sturm. Ein Gespräch mit Jan David Zimmermann
-
Episode 84: (Epistemische) Krisen? Ein Gespräch mit Jan David Zimmermann
Referenzen
-
Noam Chomsky and Edward S. Herman, Manufacturing Consent: The Political Economy of the Mass Media (1988)
-
S.J. Taylor, Stalin's Apologist: Walter Duranty, The New York Times's Man in Moscow, Oxford University Press (1990)
- Doomberg, Fit to Print. One news event, many spins: A global propaganda tour. (2026)

Tuesday Jan 27, 2026
145 — Reflexion und Rekonstruktion!
Tuesday Jan 27, 2026
Tuesday Jan 27, 2026
Wieder eine kurze Folge der Reflexion des vergangenen Jahres, die auch für mich selbst dient: Was habe ich gebracht, warum und wie soll ich in diesem Jahr weitermachen? Auch wenn dies bereits die zweite Folge im Jahr ist, aber das spielt ja wohl keine große Rolle.
Der Titel der Folge ist »Reflexion und Rekonstruktion« — der zweite Teil des Titels wird sich am Ende der Episode klären.
Mein neues Buch:
Hexenmeister oder Zauberlehrling? Die Wissensgesellschaft in der Krise
ist verfügbar!
Perfekt um die Reflexion des vergangenen Jahres zu vertiefen und zu verbreitern!
Interessant für mich ist im Rückblick aber immer: Was waren die Schwerpunkte? Warum diese Themen, was nehme ich weiter mit? Die Themen sind oft getrieben von meinen aktuellen Interessen und Recherchen, Vorträgen, kommerziellen Beratungen und Projekten.
Sie sind weniger getrieben — wie es sein sollte — von zeitgeistigen Themen, wenngleich das im vergangenen Jahr etwas anders ausgesehen haben mag, aber ich komme gleich darauf.
Begleiten Sie mich auf einer kurzen Reflexion, aber auch bei einem vielleicht etwas launigen Kommentar.
Die Zitate dieser Episode:
»Die Omnipräsenz der Krise, die zu einem Merkmal unseres Lebens geworden ist, stellt uns jedoch vor ein großes Problem: Die Krise ist die Unterbrechung des Alltags, nicht dessen Fortsetzung mit anderen Mitteln.«, Konrad Paul Liessmann
Liessman weiter in diesem Buch:
»Und in aller Krisenrhetorik wird meist der Fokus auf die vermeintliche Krise gelenkt, von der einige profitieren, während die wirklichen Krisen übersehen oder dadurch herbeigeführt werden.«
Nullius in Verba ist das Motto der ältesten wissenschaftlich Gesellschadt der Welt, der Royal Society, die 1660 gegründet wurde und übersetzt sich in etwa so ins Deutsche: »Verlass dich auf das Wort von niemandem«.
»unaccountability to the external world is not simply a happenstance but a principle«, Thomas Sowell
Dr. Daniel Stelter in Episode 144:
»Es ist einfach traurig. Wir sind einfach in jeder Hinsicht so viel schlechter geworden.«
Douglas Murray über das Zeitalter der Rekonstruktion:
»We should be the reconstructionists. The deconstructionists knew something about how to take things apart but like children with bicycles had no idea how to put them back together.«
und zum Abschluss:
»We have the choice either to live in the wastelands or to rebuild them.«
Referenzen
-
Konrad Paul Liessmann, Was nun? Eine Philosophie der Krise, Paul Zsolnay Verlag (2025)
-
Thomas Sowell, intellectuals and Society, Basic Books (2010)

Wednesday Dec 31, 2025
143 — Auf Sand gebaut?
Wednesday Dec 31, 2025
Wednesday Dec 31, 2025
Ich habe in den vergangenen Jahren ja immer wieder mit Biologen über verschiedene Themen gesprochen, und eine sehr spannende Frage, die hier und da aufgetaucht ist lautet: was ist eigentlich die Definition von Leben? Oder anders ausgedrückt: wie können wir Leben von Nicht-Leben unterscheiden?
Aber gleich vorweg gesagt: diese biologische Frage ist faszinierend und leitet die Episode ein, ist per se nicht das Thema dieser Folge, sondern nur eines von mehreren Beispielen; wie etwa der Frage, was Wissenschaft von Nicht-Wissenschaft unterscheidet, was ist Intelligenz, was ist Energie und nicht zuletzt — was ist Pornographie?
Aber diese Beispiele dienen einer viel fundamentaleren Frage: wie kann ein wesentliches Gebäude gebaut werden, wenn das Fundament aus Sand besteht? Und kann dieses Gebäude überhaupt nützlich sein?
Zusammenfassend die Zitate dieser Episode:
NASA-Definition von Leben
“Life is a self-sustaining chemical system capable of Darwinian evolution.”
Lee Cronin's Definition:
»Life is the universe developing a memory.«
Richard Feynman schreibt:
»It is important to realize that in physics today, we have no knowledge of what energy is. We do not have a picture that energy comes in little blobs of a definite amount. It is not that way. However, there are formulas for calculating some numerical quan-tity, and when we add it all together it gives ... always the same number. It is an abstract thing in that it does not tell us the mechanism or the reasons for the various formulas. «
Karl Popper:
»the belief in the importance of the meanings of words, especially definitions, was almost universal. The attitude which I later came to call “essentialism”«
»the principle of never arguing about words and their meanings, because such arguments are specious and insignificant.«
»This, I still think, is the surest path to intellectual perdition: the abandonment of real problems for the sake of verbal problems.«
Dwight D. Eisenhower:
»Plans are worthless but planning is everything«
Generalfeldmarschall Helmuth Karl Bernhard von Moltke:
»Kein Plan überlebt die erste Feindberührung«
Referenzen
Andere Episoden
-
Episode 137: Alles Leben ist Problemlösen
-
Episode 132: Fragen an die künstliche Intelligenz — eine konstruktive Irritation
-
Episode 129: Rules, A Conversation with Prof. Lorraine Daston
-
Episode 123: Die Natur kennt feine Grade, Ein Gespräch mit Prof. Frank Zachos
-
Episode 121: Künstliche Unintelligenz
-
Episode 106: Wissenschaft als Ersatzreligion? Ein Gespräch mit Manfred Glauninger
-
Episode 91: Die Heidi-Klum-Universität, ein Gespräch mit Prof. Ehrmann und Prof. Sommer
-
Episode 85: Naturalismus — was weiß Wissenschaft?
-
Episode 83: Robert Merton — Was ist Wissenschaft?
-
Episode 80: Wissen, Expertise und Prognose, eine Reflexion
-
Episode 75: Gott und die Welt, ein Gespräch mit Werner Gruber und Erich Eder
-
Episode 68: Modelle und Realität, ein Gespräch mit Dr. Andreas Windisch
-
Episode 55: Strukturen der Welt
-
Episode 49: Wo denke ich? Reflexionen über den »undichten« Geist
-
Episode 48: Evolution, ein Gespräch mit Erich Eder
-
Episode 14: (Pseudo)wissenschaft? Welcher Aussage können wir trauen? Teil 2
-
Episode 13: (Pseudo)wissenschaft? Welcher Aussage können wir trauen? Teil 1
-
Episode 6: Messen, was messbar ist?
-
Episode 2: Was wissen wir?
Fachliche Referenzen
-
Erwin Schrödinger, Was ist Leben, Piper (1989)
-
Karl Popper, Unended Quest, Routledge Classics (2002)

Saturday Nov 08, 2025
139 — Komfortable Disruption
Saturday Nov 08, 2025
Saturday Nov 08, 2025
Der Titel der heutigen Episode lautet: »Komfortable Disruption«. Komfortable Disruption ist eigentlich eine Verkürzung; genauer gesagt müsste der Titel lauten: »Komfortable evolutionäre Disruption«, aber das ist natürlich sperriger. Es hört auch wie ein Gegensatz an, und diese Provokation soll auch so sein. Evolution bedeutet graduelle Veränderung, jedenfalls aus Sicht des Genotyps; also aus Sicht der Bauform, die Auswirkungen können recht erheblich sein.
Mein neues Buch:
Hexenmeister oder Zauberlehrling? Die Wissensgesellschaft in der Krise
kann vorbestellt werden!
Disruption bedeutet aber einen Umbruch, bei dem sich sehr viel in relativ kurzer Zeit verändert. Wie kann beides zusammengehen? Oder noch genauer: warum muss vermutlich beides zusammengehen?
Und noch wichtiger: was hat das mit Komfort zu tun? Ich versuche in dieser Episode zwei Dinge zu erreichen:
(1) Ein paar Einsichten, zu denen ich in den vergangenen Monaten gelangt bin, teilen, weil diese wirklich coole Beobachtungen über Form, Weg und Geschwindigkeit von Innovationen sind, die vielen nicht bewusst sind und auch mir in Tiefe und Breite nicht klar waren; da werde ich einige Beispiele nennen.
(2) Daraus abgeleitet ein paar Fragen, was wir von diesen Beobachtungen für die heutige Zeit und die Zukunft lernen können, und zwar sowohl in der Beobachtung und Interpretation dessen, was um uns herum passiert, aber auch, was das für Geschwindigkeit und Form von Innovationen in der Zukunft bedeuten könnte.
Wir stellen in dieser Episode die Frage, was die TAP-Theorie (Theory of the Adjacent Possible) damit zu tun hat, warum jeder Alexander Bell als Erfinder des Telefons kennt, Elisha Gray aber unbekannt geblieben ist.
Die wichtigste Frage aber ist: was geschieht beim Übergang vom Alten zum Neuen und was hat es mit Mimetic Ornamentation (Mimesis) zu tun?
»universal human reaction to technological change: the tendency to reproduce in new materials and techniques shapes and qualities familiar from past usage, regardless of appropriateness. This tendency may be called the principle of mimesis.«, Roger Scruton
Ich schildere dies anhand einer Reihe von wirklich faszinierenden Beispielen:
- Architektur in der Antike
- Entwicklung der Eisenbahn und des Autos
- Kleidung
- Fenster und Fassaden
- Holz-Konstruktionen und deren Echos in die Gegenwart
- Skeuomorphismus in der Software

Zugabteil aus der Mitte des 19. Jahrhunderts (Modell, Technisches Museum Wien)
Was sind die treibenden Kräfte für dieses Mimikri, diese mimetischen Ornamente und vergleichbarer Phänomene?
»People have generally tended to resist change; they find it reassuring to be surrounded by known and familiar forms. Reproducing them as ornament on newly introduced forms is a common reaction to the vague feeling of uneasiness that rapid social and technological change induces; it provides a satisfying sense of continuity between the past and the present.«, Roger Scruton
Aber es ist nicht nur der Widerstand gegen Neues, es gibt noch eine Reihe von anderen Gründen, warum sich Innovation älterer (Design-)Elemente bedient. Welche sind das?
Was treibt nun diese Mimikri? Warum ist das wichtig, relevant? Was können wir aus diesen Beobachtungen über Innovation lernen, die Geschwindigkeit von Veränderung und die Frage, ob es uns gelingen kann oder wird, die Stagnation der letzten Jahrzehnte zu überwinden.
Referenzen
Andere Episoden
-
Episode 136: Future Brunels? Learning from the Generation that Transformed the World. A Conversation with Dr. Helen Doe
-
Episode 128: Aufbruch in die Moderne — Der Mann, der die Welt erfindet!
-
Episode 125: Ist Fortschritt möglich? Ideen als Widergänger über Generationen
-
Episoce 124: Zeitlos
-
Episode 123: Die Natur kennt feine Grade, Ein Gespräch mit Prof. Frank Zachos
-
Episode 110: The Shock of the Old, a conversation with David Edgerton
-
Episode 104: Aus Quantität wird Qualität
-
Episode 99: Entkopplung, Kopplung, Rückkopplung
-
Episode 90: Unintended Consequences (Unerwartete Folgen)
-
Episode 80: Wissen, Expertise und Prognose, eine Reflexion
-
Episode 71: Stagnation oder Fortschritt — eine Reflexion an der Geschichte eines Lebens
-
Episode 65: Getting Nothing Done — Teil 2
-
Episode 64: Getting Nothing Done — Teil 1
-
Episode 35: Innovation oder: Alle Existenz ist Wartung?
-
Episode 18: Gespräch mit Andreas Windisch: Physik, Fortschritt oder Stagnation
Fachliche Referenzen
- Kevin Kelly, What Technology Wants, Penguin (2011)
- Marina Cortes, Stuart A. Kaufman, Andrew R. Liddle, Lee Smolin, The TAP equation: evaluating combinatorial innovation inbiocosmology (2025)
- Roger Scruton, Mimetic Ornamentation (Britannica)
- Rupert Riedl, Die Strategie der Genesis, Piper (1984)
- Holzarbeiten, Panele: The Amazing Invisible Detail (Youtube)
- Benz Patent-Motorwagen (1886)
- Stadtmuseum Coburg: Flocken Elektro Wagen (1888)
- »Livet kan kun forstås baglæns, men det må leves forlæns.«, Soren Kierkegaard, aus seinen Tagebüchern (1843)
- Leonard E. Read, I, Pencil (1958)

Sunday Oct 12, 2025
137 — Alles Leben ist Problemlösen
Sunday Oct 12, 2025
Sunday Oct 12, 2025
»There are no solutions, only trade-offs«, Tom Sowell
Dieses aus meiner Sicht herausragend wichtige Zitat ist leider nicht gut ins Deutschen zu übersetzen. Ich versuche es in dieser Episode zunächst mit einer Umschreibung und dann mit einer provokanten Theorie des Fortschrittes.
Gibt es bei komplexen Problemen also keine Lösungen, sondern werden immer neue Probleme aufgeworfen, andere Systeme schlechter gemacht, oder neue systemische Folgen nach sich gezogen? Man verbessert also an einer Seite und verschlechtert an einer anderen. Aber Moment — hört sich das vielleicht schlechter an, als es in der Tat ist?
Mein neues Buch:
Hexenmeister oder Zauberlehrling? Die Wissensgesellschaft in der Krise
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In dieser Folge ein paar kurze Gedanken dazu, ich in Bezug gesetzt zu früheren Episoden. Wie immer bei diesen kurzen Monologen: es ist eine Anregung zum Nachdenken und Kritisieren; und wenn sie kritisieren, machen Sie das bitte laut, sodass ich es auch höre, z.B. auf X; oder wenn Sie es leider mögen, gerne auch via E-mail.
Was passiert bei komplexen Problemen? Was sind Wicked Problems? Treten neue Probleme auf derselben oder auf höheren systemischen Ebenen auf und was sind die Folgen für Fortschritt?
»Je größer die Unsicherheit ist, umso einfacher muss man die Regulierung [oder das Modell] machen.«, Gerd Gigerenzer in Episode 122
Wenn »Lösungen« ein Problem reduzieren aber andere, neue Probleme höherer Komplexität schaffen, was bedeutet das für unsere Gesellschaft?
»If we would do nothing, we would also be surprised by unpredictable developments. […] We solved the problems that were existential and created better problems and level up. […] I prefer those problems to the ones that made life nasty, brutish and short.«, Johan Norberg in Episode 107
Und zum Schluss: sind bestimmte »Lösungen« alternativlos, wie etwa in Politik oder Aktivismus gerne behauptet wird, oder ist die Situation doch etwas komplizierter und weniger logisch?
»The opposite of a good idea can be another good idea.«, Rory Sutherland
Referenzen
Andere Episoden
-
Episode 136: Future Brunels? Learning from the Generation that Transformed the World. A Conversation with Dr. Helen Doe
-
Episode 129: Rules, A Conversation with Prof. Lorraine Daston
-
Episode 125: Ist Fortschritt möglich? Ideen als Widergänger über Generationen
-
Episode 122: Komplexitätsillusion oder Heuristik, ein Gespräch mit Gerd Gigerenzer
-
Episode 109: Was ist Komplexität? Ein Gespräch mit Dr. Marco Wehr
-
Episode 107: How to Organise Complex Societies? A Conversation with Johan Norberg
-
Episode 99: Entkopplung, Kopplung, Rückkopplung
-
Episode 94: Systemisches Denken und gesellschaftliche Verwundbarkeit, ein Gespräch mit Herbert Saurugg
-
Episode 90: Unintended Consequences (Unerwartete Folgen)
-
Episode 72: Scheitern an komplexen Problemen? Wissenschaft, Sprache und Gesellschaft — Ein Gespräch mit Jan David Zimmermann
-
Episode 44: Was ist Fortschritt? Ein Gespräch mit Philipp Blom
-
Episode 27: Wicked Problems
Fachliche Referenzen
- Karl Popper, Alles Leben ist Problemlösen, Piper (1996)
- Thomas Sowell, A Conflict of Visions: Ideological Origins of Political Struggles (1987)
-
Rory Sutherland, Alchemy, WH Allen (2021)
- Rory Sutherland, We have a Meeting
- 10 Rules of Alchemy by Rory Sutherland

Tuesday Sep 09, 2025
134 — Das Werdende, das ewig wirkt und lebt? Transzendent oder Transient
Tuesday Sep 09, 2025
Tuesday Sep 09, 2025
Dies ist wieder eine kurze Episode der konstruktiven Irritation. Ich möchte ein paar Gedanken teilen und wieder möglichst wenig eigene Wertung geben, sondern mögliche Aspekte aufzeigen und Fragen stellen. Selbstverständlich wird es auch diesmal nicht vollständig sein, aber hoffentlich zum Weiterdenken anregen.
Mein neues Buch:
Hexenmeister oder Zauberlehrling? Die Wissensgesellschaft in der Krise
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Der erste Teil des Titels »Das Werdende, das ewig wirkt und lebt?« ist ein Zitat aus Faust I, am Ende werde ich das zum Ausklang etwas weiter zitieren. Das Thema ist also das Wechselspiel zwischen transendenten und trasienten Dingen und Ereignissen, beziehungsweise auch das Übergehen von einem ins andere.
Transzendet bedeutet dabei in meiner Verwendung, das Überschreiten oder Hinausgehen über bestimmte Grenzen. Etwas konkrete meine ich hier zwei Dimensionien: zeitlich, also Dinge, die über den Zeithorizont etwa eines Menschen oder einer Generation gehen sowie in einem materiellen Sinne; also Dinge die das materielle transzendieren, also überschreiten. Das kann eine spirituelle Bedeutung haben, aber auch eine philosopische, etwa nach Kant. Denken wir an Dinge, die jenseits der Erfahrung und des Verstands existieren oder etwas banaler, solche die nicht materiell greifbar sind, aber dennoch von Dauer. Ich werde das gleich anhand einiger Beispiele deutlicher machen.
Transient ist nun fast das Gegenteil, also Dinge oder Ereignisse, die relativ schnell vergehen, die also im Moment sind und wenig bleibende Spuren hinterlassen. Dies kann sich, wie gesagt, sowohl auf materielle wie auch geistige Aspekte beziehen.
Mich beschäftigt dieses Thema nun seit einiger Zeit, weil ich glaube, dass in menschlichen Kulturen sowie im individuellen Erleben diese Aspekte der Transzendenz oder des Vergehens sehr bestimmende Faktoren sein können, ohne dabei jetzt eine konkrete Wertung einbringen zu wollen. Und zwar darum, weil diese von der konkreten Ausprägung aber auch von den individuellen Werten abhängig ist.
In dieser Episode werde ich versuchen, diese Spannung an einer Reihe von Beispielen deutlich zu machen:
- Momente in der Zeit
- Theater- oder Musik-Aufführungen
- Bilder
- Kunst
- Gegenstände des Alltags
- Wissenschaft
- Philosophie — Karl Poppers Welt 3
- Mode und Kultur
- Gruppe vs. Individuum
Was geschieht mit Gesellschaften, die von Transzendenz dominiert sind, und mit solchen, die sie versuchen vollständig aus der Welt zu vertreiben und dann feststellt, dass viele Menschen ohne das Transzendente nicht leben können und sich dann aus dem Bauchladen der Beliebigkeit Themen suchen, die sie religiös überladen?
“Whatever the cause, a time horizon extending beyond the lifetime of the individual becomes a spontaneous moral control on individual action, analogous to moral constraints extending in space at a given time.”, Thomas Sowell
Wo stehen wir in der Welt? Wie gehen wir mit diesem Konflikt um?
»Erfreut euch der lebendig reichen Schöne!
Das Werdende, das ewig wirkt und lebt,
Umfass euch mit der Liebe holden Schranken,
Und was in schwankender Erscheinung schwebt,
Befestigt mit dauernden Gedanken!« , Faust I
Referenzen
Andere Episoden
-
Episode 128: Aufbruch in die Moderne — Der Mann, der die Welt erfindet!
-
Episode 125: Ist Fortschritt möglich? Ideen als Widergänger über Generationen
-
Episoce 124: Zeitlos
-
Episode 106: Wissenschaft als Ersatzreligion? Ein Gespräch mit Manfred Glauninger
-
Episode 98: Ist Gott tot? Ein philosophisches Gespräch mit Jan Juhani Steinmann
-
Episode 88: Liberalismus und Freiheitsgrade, ein Gespräch mit Prof. Christoph Möllers
-
Episode 84: (Epistemische) Krisen? Ein Gespräch mit Jan David Zimmermann
-
Episode 76: Existentielle Risiken
-
Episode 66: Selbstverbesserung — ein Gespräch mit Prof. Anna Schaffner
-
Episode 57: Konservativ UND Progressiv
-
Episode 55: Strukturen der Welt
-
Episode 50: Die Geburt der Gegenwart und die Entdeckung der Zukunft — ein Gespräch mit Prof. Achim Landwehr
-
Episode 49: Wo denke ich? Reflexionen über den »undichten« Geist
-
Episode 43: Deep Fakes: Wer bist du, und – was passiert da eigentlich?
-
Episode 26: Was kann Politik (noch) leisten? Ein Gespräch mit Christoph Chorherr
Fachliche Referenzen
- Alexander Schatten, Hexenmeister oder Zauberlehrling? Die Wissensgesellschaft in der Krise (2025)
- Johann Wolfgang von Goethe, Faust I (1808)
- Karl Popper, Objective Knowledge: An Evolutionary Approach, Oxford University Press, Revised Edition (1979)
- Thomas Sowell, Knowledge and Decision, Basic Books (1996)

Monday Aug 18, 2025
132 — Fragen an die künstliche Intelligenz — eine konstruktive Irritation
Monday Aug 18, 2025
Monday Aug 18, 2025
Was bringt die Zukunft der KI? Erleben wir gerade das Ende der Arbeit oder wird mit KI geradezu ein Ende der Stagnation (im Westen) eingeleitet? Wird uns KI befreien oder unterwerfen? Steht gar die Singularität vor der Tür?
All diese Fragen und Prognosen werde ich nicht beantworten, sondern werde vielmehr versuchen, sinnvolle Fragestellungen im Umfeld der KI zu entwickeln und versuchen sie in einen Kontext zu stellen.
Diese Folge wird also Fragen aufwerfen sie aber bewusst nicht beantworten. Es ist der Versuch (nach Ralph Ruthardt) einer konstruktiven Irritation. Sie soll helfen, zu neuen Ideen zu kommen, auch zu irritieren und zum Nachdenken anzuregen.
(Sollte ich die eine oder andere Frage doch versuchen zu beantworten, verzeihen Sie mir, dieser Podcast ist noch von Menschen, nicht von KI gemacht.)
Hörer werden unterschiedliche Antworten finden. Auch wird es zahlreiche Fragen und Aspekte geben, die ich nicht bedacht habe.
Teilen Sie Ihre Erkenntnisse und Kritik! Ein Posting auf X mit Referenz an mich wäre eine gute Möglichkeit, auch E-Mails sind gerne gesehen.
Hier noch einige Zitate aus der Episode im Original:
“big data all comes from the same place – the past.”, Rory Sutherland
“I said that he was my superior in observation and deduction. If the art of the detective began and ended in reasoning from an arm-chair, my brother would be the greatest criminal agent that ever lived. But he has no ambition and no energy. He will not even go out of his way to verify his own solutions, and would rather be considered wrong than take the trouble to prove himself right. Again and again I have taken a problem to him, and have received an explanation which has afterwards proved to be the correct one. And yet he was absolutely incapable of working out the practical points which must be gone into before a case could be laid before a judge or jury.”, Sherlock Holmes
“AI technology is exceptionally expensive, and to justify those costs, the technology must be able to solve complex problems, which it isn’t designed to do.”, Jim Covello
“the US is currently placing its money on one huge bet: that AI will unleash a productivity revolution so great it will ultimately re-start the economy it’s presently impeding.” […] “Over the same three years that the AI revolution has been in full swing, labour productivity has grown at barely 1% a year, maintaining a decades-long trend of declining growth across Western countries.”, John Rapley
»Die aufeinanderfolgenden neuen Waffensysteme zeichneten sich durch wachsende operative Schnelligkeit aus, beginnend mit operativen Entscheidungen […], und gerade diese wachsende Schnelligkeit brachte den prinzipiell unberechenbaren Zufallsfaktor ebenfalls ins Spiel. Das ließe sich wie folgt formulieren: ‘Unerhört schnelle Systeme begehen unerhört schnell Fehler.’ Dort wo Bruchteile von Sekunden […] entscheiden, ist es unmöglich, militärisch-strategische Gewissheit zu erzielen, oder anders: Man wird nicht mehr zwischen Sieg und Niederlage unterscheiden können.«, Stanislaw Lem
»Die Politiker der parlamentarisch regierten Länder bewältigten schon im vergangenen Jahrhundert nicht einmal alle Probleme des eigenen Staates, geschweige denn die Weltprobleme, und darum hatten sie Berater. […] Mit der Zeit nahmen sie Computersysteme zu Hilfe, und zu spät erkannte man, daß die Menschen zu Sprachrohren ihrer Computer wurden. Sie meinten, sie selbst seien es, die die Dinge überdenken und Schlüsse ziehen […]. Doch tatsächlich operierten sie mit einem vom Rechenzentrum vorfabrizierten Material, und dieses Material bestimmte die menschlichen Entscheidungen.«, Stanislaw Lem
“If the economy is an information-processing system, does that mean that every corporation is an artificial intelligence? If people are worried about out-of-control AI taking over the world and destroying everything, shouldn’t we have been trying to do something about them at least seventy years ago – and probably more like two hundred?”, Dan Davies
"The Czar himself is powerless against the bureaucratic body; he can send any one of them to Siberia, but he cannot govern without them, or against their will. The experience of imperial China was very much the same.”, John Stuart Mill
Referenzen
Weitere Episoden
-
Episode 129: Rules, A Conversation with Prof. Lorraine Daston
-
Episode 128: Aufbruch in die Moderne — Der Mann, der die Welt erfindet!
-
Episode 125: Ist Fortschritt möglich? Ideen als Widergänger über Generationen
-
Episode 122: Komplexitätsillusion oder Heuristik, ein Gespräch mit Gerd Gigerenzer
-
Episode 121: Künstliche Unintelligenz
-
Episode 119: Spy vs Spy: Über künstlicher Intelligenz und anderen Agenten
-
Episode 118: Science and Decision Making under Uncertainty, A Conversation with Prof. John Ioannidis
-
Episode 109: Was ist Komplexität? Ein Gespräch mit Dr. Marco Wehr
-
Episode 103: Schwarze Schwäne in Extremistan; die Welt des Nassim Taleb, ein Gespräch mit Ralph Zlabinger
-
Episode 100: Live im MQ, Was ist Wissen. Ein Gespräch mit Philipp Blom
-
Episode 71: Stagnation oder Fortschritt — eine Reflexion an der Geschichte eines Lebens
-
Episode 68: Modelle und Realität, ein Gespräch mit Dr. Andreas Windisch
-
Episode 65: Getting Nothing Done — Teil 2
-
Episode 64: Getting Nothing Done — Teil 1
Fachliche Referenzen
- Frey, C. B., & Osborne, M. A. (2013). The Future of Employment: How Susceptible Are Jobs to Computerisation? Oxford Martin School, University of Oxford
-
Rory Sutherland, Alchemy, WH Allen (2021)
- Roger Penrose on AI and consciousness
- Arthur Conan Dolye, The Adventure of the Greek Interpreter, Strand Magazine (1893)
- John Rapley, Is the AI Bubble about to Burst? Unherd (2025)
- GEN AI: To Much Spend, Too Little Benefit? Goldman Sachs (2024)
- Stanislaw Lem, Waffensysteme des 21. Jahrhunderts (1983)
- Dan Davies, The Unaccountability Machine, Why Big Systems Make Terrible Decisions - and How The World Lost its Mind, Profile Books (2024)
- Jeff Bezos on (industrial) bubbles (YouTube)

Tuesday Jul 01, 2025
128 — Aufbruch in die Moderne — Der Mann, der die Welt erfindet!
Tuesday Jul 01, 2025
Tuesday Jul 01, 2025
Ich war im April in England. Ich erzähle das nicht deshalb, weil ich jetzt einen neuen Reise-Podcast mache oder ihnen Urlaubsphotos zeigen möchte. Aber diese Reise war eingerahmt von zwei Themen: Isambard Kingdom Brunel und einem Abend des Spectator-Magazins mit Douglas Murray, der sein neues und sehr wichtiges Buch vorgestellt hat.

Isambard Kingdom Brunel vor der SS Great Western
Ich hatte eigentlich vor, eine schnelle Episode (?) zu dem Thema zu machen und über die Eindrücke zu plaudern und zum Nachdenken anzuregen— und dann sind es wieder mehr als zwei Monate intensiver Recherche und das Lesen von vier Büchern geworden, bis ich mich hier sozusagen eingeschwungen habe. Keine Minute davon war für mich allerdings verloren.
Sollten Sie, wie viele, den Namen Brunel noch nie gehört haben, umso besser: bleiben sie dran, ich garantiere ihnen, es wird eine faszinierende und vor allem inspirierende Geschichte, die zum Weiterdenken anregen wird.

SS Great Britain
Die heutige Episode steht für mich auch vor dem Hintergrund meiner Buch-Recherche vor allem was die Zeit des 19. Jahrhunderts betrifft und die Folgen für unsere moderne Zivilisation. Diese Recherche hat mich auf mehreren Ebenen beeindruckt und verändert, aber auch etwas ärgerlich gemacht, um ehrlich zu sein. Ich war überrascht, wie wenig ich über diese absolut transformative Zeit wusste, in der Schule gelernt habe und wie wenig dies in der Öffentlichkeit thematisiert wird. Damit meine ich nicht nur die geschichtliche Dimension, sondern auch die Lehren, die man daraus ziehen kann und, wie ich denke, ziehen muss.
Welchen Pfad bin ich über die letzten sechs Jahre im Podcast gegangen? Bin ich schlauer geworden? Habe ich meine Ansichten verändert?
Welche unglaubliche Geschichte des Erfolgs und der Transformation zeichnet diese Generation von Erfindern und Unternehmern des 19. Jahrhunderts und was können (oder sollen?!) wir von ihnen lernen?

Sir Joseph Paxton
»Paxton war vor natürlich ein Gärtner, aber als Pionier unter den self made Männern der viktorianischen Ära gehörte er einer Generation an, die ihre Zeit als Übergang von der Vergangenheit in die Zukunft betrachtete und die Innovationen des Tages begrüßte.«
Wir begegnen einer Generation von Machern, nicht Raunzern und Defätisten.
»Wie viele seiner Zeitgenossen, schien er fähig zu sein, nahezu jede Aufgabe zu lösen.«

Crystal Palace im Hyde Park
Aber hilft uns dies in der heutigen Welt?
»Could our society produce another Brunel? It is difficult to see how.«, Steven Brindle
Das wäre ein unfassbarer Stillstand. Wollen wir uns mit einem solchen Gedanken zufrieden geben?
»One of the sad signs of our times is that we have demonized those who produce, subsidized those who refuse to produce, and canonized those who complain.«, Thomas Sowell
Sind wir eine von Ängsten erfüllte, stagnierende Gesellschaft geworden, vor allem in Europa?
»No Risk no fun, aber stärker: no Risk, no survival.«
Der Versuch, alle Risiken zu vermeiden wird selbst zum größten Risiko.
»Man kann mit den Ideen der Vergangenheit nicht in die Zukunft gelangen. Das Gestalten der Zukunft birgt Risiken und bringt Probleme mit sich. Diese Risiken nicht einzugehen legt aber noch viel größere Risiken offen.«
Und der Blick in die Vergangenheit stellt weitere Fragen: gab es je Zeiten, die sicher waren, in denen man ruhig und entspannt an der Zukunft arbeiten konnte?
»Human life has always been lived on the edge of a precipice. Human culture has always had to exist under the shadow of something infinitely more important than itself. If man had postponed the search for knowledge and beauty until they were secure, the search would never had begun. […]
Life has never been normal.«, C. S. Lewis
Referenzen
Andere Episoden
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Episode 126: Schwarz gekleidet im dunklen Kohlekeller. Ein Gespräch mit Axel Bojanowski
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Episode 122: Komplexitätsillusion oder Heuristik, ein Gespräch mit Gerd
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Episode 121: Künstliche Unintelligenz
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Episode 120: All In: Energie, Wohlstand und die Zukunft der Welt: Ein Gespräch mit Prof. Franz Josef Radermacher
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Episode 117: Der humpelnde Staat, ein Gespräch mit Prof. Christoph Kletzer
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Episode 110: The Shock of the Old, a conversation with David Edgerton
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Episode 109: Was ist Komplexität? Ein Gespräch mit Dr. Marco Wehr
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Episode 96: Ist der heutigen Welt nur mehr mit Komödie beizukommen? Ein Gespräch mit Vince Ebert
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Episode 92: Wissen und Expertise Teil 2
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Episode 86: Climate Uncertainty and Risk, a conversation with Dr. Judith Curry
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Episode 80: Wissen, Expertise und Prognose, eine Reflexion
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Episode 76: Existentielle Risiken
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Episode 74: Apocalype Always
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Episode 71: Stagnation oder Fortschritt — eine Reflexion an der Geschichte eines Lebens
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Episode 65: Getting Nothing Done — Teil 2
-
Episode 64: Getting Nothing Done — Teil 1
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Episode 50: Die Geburt der Gegenwart und die Entdeckung der Zukunft — ein Gespräch mit Prof. Achim Landwehr
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Episode 35: Innovation oder: Alle Existenz ist Wartung?
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Episode 29: Fakten oder Geschichten? Wie gestalten wir die Zukunft?
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Episode 6: Messen, was messbar ist?
Photos
- Isambard Kingdom Brunel (Wikimedia)
- The Crystal Palace in Hyde Park for Grand International Exhibition of 1851 (Wikimedia)
- Joseph Paxton (Wikimedia)
- Launch of the SS-Great Britain (Wikimedia)
Fachliche Referenzen
- Steven Brindle, Brunel: The Man Who Built the World, W&N (2006)
- Isambard Brunel, The Life of Isambard Kingdom Brunel, Civil Engineer, Longmans, Green, And CO (1870)
- Helen Doe, SS Great Britain, Amberley (2022)
- Helen Doe, The First Atlantic Liner, Brunel's Great Western Steamship, Amberley (2020)
- Kate Colquhoun, A Thing in Disguise, The Visionary Life of Joseph Paxton, Fourth Estate (2012)
- Brunel And His Great Bridges
- C. G. Merridew, I. K. Brunel's Crimean War Hospital (2014)
- Douglas Murray, On Democracies and Death Cults: Israel and the Future of Civilization, Broadside (2025)
- Thomas Sowell, Ever Wonder Why?, Hoover Institution Press (2006)
- C. S. Lewis, Learning in Wartimes (1939)

Thursday Jun 19, 2025
127 — Nicht einmal die Schweiz ist neutral...
Thursday Jun 19, 2025
Thursday Jun 19, 2025
Der Titel dieser kurzen Episode ist »Nicht einmal die Schweiz ist neutral...«, was können wir dann von Wissenschaftern, Journalisten und anderen öffentlichen Denkern und Kommentatoren erwarten? Es ist aufs Neue eine Episode die zum Nachdenken und Widerspruch anregen soll.
Der Auslöser dieser Episode ist ein Tweet, wo mir vorgeworfen wurde, ich würde meiner Glaubwürdigkeit schaden, weil ich eine bestimmte Position in einer Sachfrage vertrete und einen diesbezüglichen Tweet retweetet hätte. Es geht hier nicht um diese Sache an sich, sondern um die dahinterliegende Frage, die ich für gerechtfertigt halte.
Zunächst einmal stellt sich die Frage: Ist Neutralität überhaupt ein Ziel?
Noch grundsätzlicher gedacht: Niemand ist neutral. Damit haben wir eine Überschneidung mit dem Titel der letzten Episode. Sie erinnern sich vielleicht an den Kohlenkeller. Das Zitat von Karl Popper lautete:
»Wissenschaft ist, wenn man schwarz gekleidet in einem dunklen Kohlenkeller nach einer schwarzen Katze sucht, von der man gar nicht weiß, ob sie existiert.«
Wie sollte eine solche Neutralität auch aussehen? Wozu dürfte ich mich äußern? Ist Neutralität auf der individuellen Ebene in Wahrheit unmöglich?
An dieser Stelle möchte ich wieder zwei meiner Lieblingszitate von Karl Popper aus dem Buch »Auf der Suche nach einer besseren Welt« aus dem Jahr 1987 bringen:
»Klarheit ist ein intellektueller Wert an sich; Genauigkeit und Präzision aber sind es nicht.« und »Wir dürfen nie vorgeben zu wissen, und dürfen nie große Worte gebrauchen«
Leider wird das oftmals nicht gemacht und Popper folgert:
»Das Verfahren – wo die Argumente fehlen, da ersetze man sie durch den Wortschwall – war erfolgreich.«
Wann und wie sollte man sich also in der Öffentlichkeit äußern? Welches Risiko eingehen? Verliert man Freunde oder Kollegen, wenn man seine Ansicht äußert? Was sagt das über unsere Gesellschaft? Sind wir in Geiselhaft einer kleinen, aber aggressiven und illiberalen Elite?
»When you are the smartes person in the room, you are in the wrong room.«
Aber es gibt nicht nur die individuelle Ebene. Gibt es einen fundamentalen und wichtig zu verstehenden Unterschied zwischen Individuum und Organisation/Gruppe? Was sollten wir hier bedenken?
»Strongly held convictions that are prior to research often seem to be a precondition for success in the sciences.«, Thomas S. Kuhn
Die Suche nach Erkenntnis und Wahrheit ist ein ewiger Kampf. Ein Kampf, der sich nicht delegieren lässt. Nur Diktatoren behaupten, dieses Problem lösen zu können; behaupten Organisationen zu haben, die Missinformation (was immer das konkret bedeuten soll) erkennen und verhindern.
Ich bin davon überzeugt, dass autoritäre, paternalistische und totalitäre Ideen immer schreckliche Folgen haben. Niemand ist neutral, niemand hat die Wahrheit gepachtet. Versuchen wir also, unsere unterschiedlichen Ansichten fundiert und nachvollziehbar darzustellen und in den kritischen Diskurs zu gehen.
Referenzen
Andere Episoden
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Episode 126: Schwarz gekleidet im dunklen Kohlekeller. Ein Gespräch mit Axel Bojanowski
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Episode 121: Künstliche Unintelligenz
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Episode 118: Science and Decision Making under Uncertainty, A Conversation with Prof. John Ioannidis
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Episode 117: Der humpelnde Staat, ein Gespräch mit Prof. Christoph Kletzer
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Episode 116: Science and Politics, A Conversation with Prof. Jessica Weinkle
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Episode 106: Wissenschaft als Ersatzreligion? Ein Gespräch mit Manfred Glauninger
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Episode 96: Ist der heutigen Welt nur mehr mit Komödie beizukommen? Ein Gespräch mit Vince Ebert
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Episode 88: Liberalismus und Freiheitsgrade, ein Gespräch mit Prof. Christoph Möllers
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Episode 84: (Epistemische) Krisen? Ein Gespräch mit Jan David Zimmermann
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Episode 1: Zukunft Denken – eine gemeinsame Reise
Fachliche Referenzen
- Karl Popper, Auf der Suche nach einer besseren Welt (1987)
- Thomas S. Kuhn, The Function of Dogma in Scientific Research, in A.C. Crombie, ed. Scientific Change: Historical Studies in the Intellectual, Social and Technical Conditions for Scientific Discovery and Technical Invention, From Antiquity to the Present. New York: Basic Books, pp. 347-69. (1963)

