Zukunft Denken – Podcast

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March 22, 2021  

039 – Follow the Science?

»Follow the science«, also »Folge der Wissenschaft« ist das Motto oder die Forderung vieler Umweltbewegungen aber auch zunehmend politischer Akteure. 

Was ist von dem Slogan zu halten? Was könnte falsch daran sein, den Erkenntnissen der Wissenschaft zu folgen? Bei genauerer Betrachtung stellt sich die Sache leider (wie so häufig) etwas komplexer dar. 

Diese Frage öffnet drei grundsätzliche Ebenen:

  1. In welchem Umfang können wir Wissenschaft und Erkenntnis vertrauen? Denn Follow the Science setzt natürlich hohe Ansprüche an die Qualität des Wissens.
  2. Gibt es in komplexen Systemen überhaupt eine klare Beschreibung von Problemen und Lösungen? Oder ist schon diese Betrachtung problematisch?
  3. Selbst wenn wir diese ersten beiden (schwerwiegenden) Aspekte einmal ignorieren, stellen wir fest, dass es dennoch sehr fundamentale Gründe gibt, warum follow the science in der naiven Form kaum haltbar ist.

In dieser Episode geht es  daher alleine um den dritten Aspekt. Die ersten beiden Aspekte wurden in anderen Episoden bereits diskutiert (s.u.).

Anhand von vier Gedankenexperimenten wird die Problemlage deutlich gemacht:

  • Welche Rolle spielt die Wissenschaft in der Entscheidungsfindung?
  • Kann aus wissenschaftlicher Erkenntnis unmittelbar Aktivitäten abgeleitet werden?
  • Wie ist das Zusammenspiel von ethischer Bewertung, gesellschaftlichen Werten und naturwissenschaftlicher Erkenntnis?

In dieser Episode gilt ganz besonders: Teilen Sie Ihre Überlegungen mit mir!

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Andere Episoden: (1) Welcher Erkenntnis können wir trauen

Andere Episoden: (2) Probleme und Lösungen

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February 2, 2021  

037 – Probleme und Lösungen

Wir sprechen sehr gerne von Problemen in Politik, Wirtschaft, Organisationen usw. Dabei wird meist impliziert, dass es für diese Probleme »eine Lösung« gibt. Es wird gefordert, »das Problem« endlich »zu lösen!« mit Ausrufungszeichen, so als ob jeder über
  • dasselbe Problem,
  • dieselbe Lösung spricht und
  • jeder wüsste und übereinstimmt, wie man vom einem zum anderen gelangt

Sprache und Rhetorik bestimmt auch unser Handeln. In dieser Episode spreche ich über verschiedene Arten von Problemen, und wie diese unterschiedliche Zugänge verlangen. Am Beispiel des Problemschachs wird die einfachste Art von Problemen erklärt.

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Thomas Taverner 1889: Weiß setzt Schwarz in zwei Zügen Matt

Wir werden dann aber feststellen, dass fast alle Probleme, die uns im Leben und der Welt begegnen, gerade nicht in diese Kategorie fallen – schon auf die »normale« Schachpartie trifft dies nicht mehr zu.

Probleme in der Welt sind häufig Wicked Problems. Probleme, die sich schwer fassen lassen, die keine klare Lösung und kein klares Ziel haben. Probleme, die sich auch nicht leicht reproduzieren oder studieren lassen.

Wie gehen wir damit um? Sollten wir uns von Wunschdenken und Wunschvorstellungen lösen und in manchen Bereichen auch die Erkenntnis annehmen, dass wir von Problemen umgeben sind, die wir nicht, oder nicht mehr lösen können? Dazu zählt wohl auch die Klimakrise

»Wenn man sagt, es ist ein Wettlauf mit der Zeit (wir haben noch diese drei Jahre...), dann werden wir diesen Wettlauf verlieren«, Wolfram Eilenberger

Was können wir angesichts solcher, auch existentieller Probleme überhaupt erwarten? Schuldzuweisungen? Können wir in eine erwachsene Diskussion kommen? Wollen wir evolutionäre Transformationsprozesse oder Revolutionen? Was ist die Rolle von Generalisten? Und der Umgang mit dem Scheitern?

»Die rettende Idee besteht schlicht darin, dafür zu sorgen, dass die menschlichen und Berechnungsfehler beschränkt bleiben, und zu verhindern, dass sie sich im System ausbreiten«, Nassim Taleb

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December 14, 2020  

035 – Innovation oder: Alle Existenz ist Wartung?

»Most work is keeping things the same«, David Graeber

Kann nur Innovation unsere Zukunft sichern, oder leben wir gar im Innovations-Wahn?

»Wir springen von einer Klippe und erst auf dem Weg nach unten bauen wir unsere Flügel«, Ray Bradbury

Das scheint in vielerlei Hinsicht die Strategie unserer Gesellschaft zu sein, aber ist das eine kluge Strategie, die wir weiterführen sollten? Welche Technologie ist eigentlich relevant für uns? Wer entscheidet dies? Wer hat welche Interessen? Wie spielen alte und neue Technologien zusammen?

Silicon Valley Speak erklärt im wesentlichen IKT zur Technologie, aber das ist nur ein sehr kleiner Teil des Bildes. Was nehmen wir eigentlich als Technologie wahr?

»Der Faszination des Neuen folgt in der Regel die Phase der Gewöhnung, die so weit geht, dass wir das Technische gar nicht mehr als das Technische wahrnehmen«, Klaus Kornwachs

Wir sind abhängig von lebenswichtiger technischer Infrastruktur und diese ist im ständigen Kampf gegen die Entropie.

Alles ist Wartung:

»Everything, without exception requires additional energy and order to maintain itself. Existence, it seems, is chiefly maintenance«, Kevin Kelly

Je komplexer wir aber unsere Infrastruktur machen, desto aufwändiger wird die Wartung. Innovation, im besonderen auch Digitalisierung, erschein vielleicht nicht teuer in der Anschaffung, aber haben wir bedacht, dass sie unsere bestehenden Systeme viel komplexer macht und wir diese Komplexität über Jahrzehnte warten müssen?

Wartung ist das Fundament von Fortschritt und Innovation und die Voraussetzung für gesellschaftliche Agilität. Gleichzeitig sind Wartung und Nachhaltigkeit auch zwei Seiten derselben Medaille.

Wem nützt der aktuellen Angst-machenden »Innovation Speak«: Innovieren oder Verlieren; Disruption oder abgehängt werden; move fast and break things. Wirklich? Cui bono? Wem nützt das? Was ist für die Gesellschaft wirklich von Bedeutung?

Was bedeuten diese Überlegungen für unser Schul- und Bildungssystem, für Universitäten und Forschung? Gibt es eine »STEM-Crisis« und brauchen wir daher wirklich mehr Akademiker?

Anhand einiger Beispiele wie der Hyperloop, Wifi und Ladegeräte in New Yorks Bussen, Digitalisierung in Schulen, Green New Deal und Energiewende zeigen sich fragwürdige Formen von Innovation, die Wartung und sinnvolle Investition kaum erfüllen.

“Der Gedanke, dass Schulen auch Schutzräume darstellen können, die sich bewusst auf wesentliche Fragen, Probleme und Inhalte konzentrieren und sich gegenüber den Zumutungen einer hysterisierten Öffentlichkeit auch abschotten können, ist uns sehr, sehr fremd geworden.”, K. P. Liessmann

Wir leben – und auch aus dieser Perspektive kann man das Thema betrachten – in einer Wegwerfgesellschaft. Wartung spielt häufig keine Rolle. Ein kompliziertes Gerät funktioniert nicht mehr. Wegwerfen! Neu kaufen! Geplante Obsoleszenz wird zum Standard der Wirtschaftspraxis. Das ist ökologisch ein wirkliches Problem, aber was macht das mit uns Menschen?

Was können und sollen wir tun, wie kommen wir voran? Wie erzielen wir inklusiven Fortschritt? Was ist ein gutes Produkt und was bedeutet dies für die Wertschöpfung? Ist dieser Themenbereich politisch umstritten oder vielleicht gar konsens-fähig? Packen wir es an: 

»Take care, pay attention, do your job«, Lee Vinsel

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October 15, 2020  

032 – Überleben in der Datenflut – oder: warum das Buch wichtiger ist als je zuvor

Wir leben in immer schnelleren Zeiten. Um hier nicht den Anschluss zu verlieren, müssen wir auch unsere Informationskanäle beschleunigen: Soziale Medien, Videos, Newsfeeds... Bücher sind da ein überflüssiger Anachronismus und haben im 21. Jahrhundert keinen Platz mehr.

Oder doch?

In dieser Episode provoziere ich wieder zum Widerspruch.

Was sind Daten und was ist Information? Braucht man in einer (angeblich) schnellen Zeit wirklich schnellere Medien, oder ist die Krise in der wir stecken vielleicht eine Folge dieses Irrtums?

Information ist »irgendein Unterschied, der bei einem späteren Ereignis einen Unterschied macht«, Gregory Bateson (zitiert aus K. P. Liessmann, Theorie der Unbildung)

Was ist das Signal/Rausch-Verhältnis moderner Medien? Gibt es überhaupt News, und wenn ja, helfen uns diese weiter? Vermissen wir irgendetwas, oder ist fear of missing out schlicht eine Marketing-Strategie um uns Unsinn zu verkaufen und abhängig zu machen?

Welche Rolle spielt das Buch in dieser Gemengelage und in welcher Form sollten wir es lesen?

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August 21, 2020  

029 – Fakten oder Geschichten? Wie gestalten wir die Zukunft?

Eine Episode die zum Nachdenken anregen soll, und die Motivation dieses Podcasts reflektiert: 

»Fakten sind wichtig aber nicht entscheidend.«

Werden wir geschoben – von der Vergangenheit, den Problemen, den bestehenden Narrativen, oder agieren wir, denken wir aktiv über die Zukunft nach – ziehen wir uns also in Richtung Zukunft?

Übernehmen wir die Verantwortung über unser Leben und die Zukunft der Gesellschaft oder verlieren wir uns in Zynismusdas Handeln ist alternativlos...?

»Menschen sind die Produkte der Geschichten, die sie über sich selbst erzählen, die ihre Gemeinschaft über sich erzählt. Fakten spielen dabei höchstens eine untergeordnete Rolle.«, Philip Blom

Welche Rolle spielen dabei Narrative, Fakten, Wissenschaft,  Geschichten?

»Those who tell the stories run the world.«, George Mobiot

Was bedeutet das? Wie kommen wir zu Entscheidungen? Wie verändern wir die Welt?

»Bewegungen, welche die Welt zu verändern suchen, beginnen oft damit, dass sie die Geschichte umschreiben und die Menschen damit in die Lage versetzen, sich die Zukunft neu auszumalen.«, Yuval Noah Harari

Schreiben Sie mir Ihre Meinung!

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July 13, 2020  

027 – Wicked Problems

In Episode 25 haben wir uns mit Entscheiden unter Unsicherheit auseinandergesetzt. Wann macht Evidenz-basiertes Entscheiden Sinn, wann müssen wir andere Strategien anwenden. Dies war ein erster Aufschlag zu diesem Thema.

In dieser Episode greifen wir einen der kurz erwähnten Aspekte auf und vertiefen ihn: Wicked Problems.

Mit dem einflussreichen Fachartikel aus dem Jahr 1973 haben Horst Rittel und Melvin Webber den Begriff eingeführt, ins Deutsche vielleicht mit »bösartige Probleme« übersetzbar.

Wir werden uns mit der Frage auseinandersetzen was Wicked Problems von Tame Problems also »zahmen Problemen« unterscheidet und welche Rolle Effizienz dabei spielt.

Rittel und Webber beschreiben 10 Charakteristika von wicked problems, die ich auf 4+1 Aspekte zusammenfasse. Die Erkenntnisse dieses fast fünfzig Jahre alten Artikels sind heute gültiger als zur Zeit der Veröffentlichung.

Das zeigen zahlreiche neuere Publikationen, die die Terminologie und Konzepte aufgreifen. Ich wähle beispielhaft zwei hervor: David Epstein (Range) und Chris Clearfield (Meltdown). Beide beschäftigen sich mit der Frage, wie wir mit den heute überall zu sehenden wicked problems und wicked domains umgehen sollen.

Was ist die Konsequenz für unsere Zukunft? Schule, Universität, Politik, Management?

Und nicht zuletzt: was halten wir von Experten, oder besser gesagt: wie können wir Experten, denen wir täglich in den Medien begegnen einschätzen?

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May 29, 2020  

025 – Entscheiden unter Unsicherheit

Thema dieser Episode ist Entscheiden unter Unsicherheit oder etwas genauer, Unter welchen Voraussetzungen sind evidenzbasierte Entscheidungen angebracht, und wie ist unter Unsicherheit, also etwa bei komplexen Problemen zu entscheiden.

Auch dies ist wieder keine Corona-Episode im engeren Sinne, wenngleich die Corona-Krise ein gutes Beispiel für eine Situation ist, wo evidenzbasierte Entscheidung nur bedingt möglich ist.

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Zunächst gibt es wieder einmal einen Blick in die Vergangenheit: Was können wir von James Lind, Florence Nightingale, Archie Cochrane und John Ioannidis über Fortschritt in der Medizin und evidenzbasiertes Entscheiden lernen?

Was sind die Voraussetzungen, damit man in einer bestimmten Problemlage evidenzbasiert Entscheiden kann?

Zunächst versuche ich Risiken in drei Klassen einzuteilen und mit Beispielen zu unterlegen um damit deutlich zu machen, dass es von großer Bedeutung ist zunächst einmal zu verstehen, mit welcher Art von Risiko wir es in einem konkreten Fall überhaupt zu tun haben. Darf man etwa

  • Masern
  • Herzinfarkt
  • Autounfälle
  • Ertrinken im Swimmingpool
  • politische Konflikte
  • Covid-19
  • Finanzmärkte
  • Klimakrise

miteinander vergleichen? Wenn ja, unter welchen Voraussetzungen? Wann ist ein System oder ein Problem komplex und was bedeutet das für Entscheidungen?

Unter welchen Voraussetzungen ist schnelles und aggressives Handeln das Mittel der Wahl, unter welchen Deliberation und Bezug auf vergangene Ereignisse?

Ist rationales Entscheiden Intuition und Bauchgefühl immer überlegen? Warum wird dann so häufig defensiv oder pseudo-rational entschieden?

Wenn man über ein akutes Problem hinausblickt: wie kann man sich für die Zukunft vorbereiten? Welche systemischen Aspekte könnte man bedenken

  • Vorbereiten auf Tail Risks 
  • Resilienz vs. Effizienz
  • Vielfalt statt Einfalt
  • Verteilung statt Konzentration
  • enge oder lockere Kopplung?
  • Versicherung

In dieser Episode wird es wieder einige Anregungen zum Weiterdenken geben, aber wir müssen auch einige Aspekte für spätere Episoden offen lassen, z.B. 

  • Eine vertiefte Betrachtung komplexer Systeme und deren Probleme, z.B. »Wicked Problems«
  • Solutionism – wie Technik unseren Blick auf Probleme verwirren kann
  • Atomwaffen und internationale Politische Konflikte

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andere Episoden

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April 17, 2020  

023 – Frozen Accidents

Die Idee dieses Podcasts ist es nicht, Themen zu behandeln, die eine besonderen Bezug zu aktuellen Ereignissen haben, sondern Themen, die von grundsätzlicher Bedeutung sind und eine wesentliche Rolle für unsere Zukunft spielen. Daher gibt es auch keine Covid-19 Episode. Allerdings wurden und werden in diesem Podcast Themen besprochen, die für die Corona-Krise von zentraler Bedeutung sind. In der Vergangenheit waren das etwa folgende Episoden:

Und diese Episode behandelt ein, eigentlich zwei Themen, die ebenso fundamental für die Zeit einer Krise und notwendiger Veränderungen in der Zukunft sind.

Der erste Begriff ist Frozen Accidents, der auf Murray Gell-Mann und Francis Crick zurückgeht.

»Now, most single accidents make very little difference to the future, but others may have widespread ramifications, many diverse consequences all traceable to one chance event that could have turned out differently. Those we call frozen accidents.«, Murray Gell-Mann

In dieser Episode werde ich den Begriff zur Improvisation nutzen um einen zweiten, den der Status Dominanz einzuführen und zu erklären. 

Wir sehen an zahlreichen Beispielen um uns herum, wie stark der Status Quo, teilweise von Frozen Accidents (mit)verursacht eine Anziehung entwickelt (durch Strukturen und Systeme), die wir kaum mehr in der Lage sind zu verändern.

Auch unsere Risikoeinschätzung wird dadurch stark beeinflusst. Wer würde etwa heute eine Technologie einführen, die jedes Jahr 1,5 Millionen Menschen das Leben kosten und eine Vielzahl davon schwer verletzt?

Und nicht zuletzt stellt sich die Frage für die Zukunft: was bedeutet dies für die dringen notwendigen und fundamentalen Veränderungen in unserer Gesellschaft?

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Irakkrieg und Demokratie

March 16, 2020  

021 – Der Begriff der Natur – oder: Leben im Anthropozän

Ich möchte mit dieser Episode anregen – vielleicht auch ein wenig provozierend – über Begriffe nachzudenken: 

  • Natur
  • Umwelt
  • Umweltschutz
  • Umwelt und Wirtschaft
  • Anthropozän

In welcher Form wir diese Begriffe interpretieren, stellt sich als fundamentale Weichenstellung heraus, wie wir mit unserer Zukunft umgehen.

»Ich habe mich oft gefragt: 'Was sagte der letzte Bewohner der Osterinsel, der gerade dabei war, die letzte Palme zu fällen?' Schrie er wie moderne Holzfäller: 'Wir brauchen keine Bäume, sondern Arbeitsplätze!'? Oder sagte er: 'Die Technik wird unsere Probleme schon lösen, keine Angst, wir werden einen Ersatz für das Holz finden'? Oder vielleicht: 'Wir haben keinen Beweis, dass es nicht an anderen Stellen auf der Osterinsel noch Palmen gibt, wir brauchen mehr Forschung, der Vorschlag, das Abholzen zu verbieten, ist voreilig und reine Angstmacherei'?«, Jared Diamond

Es macht auf sehr anschauliche Weise deutlich, wie sehr wir als Individuen auf die Probleme fokussiert sein können, die aus unserem Job, unserer Rolle in der Gesellschaft oder Wirtschaft entspringen. So fokussiert, dass wir völlig übersehen, dass wir durch den immer angestrengteren Versuch, unser Unternehmen, unsere Familie, unseren Staat aufrecht zu erhalten gerade die dafür notwendigen Fundamente zerstören

In dieser Episode werden wir von Alexander von Humboldt hören: »Alles ist Wechselwirkung« und über das Verhältnis von Wirtschaft und Natur:

»Naturmenschen und Menschen früher Zivilisationen lebten in der Vorstellung einer geradezu grenzenlosen Fläche. [...] Es gab immer einen anderen Platz, den man aufsuchen konnte, wenn die Dinge zu schwierig wurden; entweder weil die Umwelt oder die sozialen Strukturen im bisherigen Lebensraum zerstört wurden. […] Besonders Ökonomen sind größtenteils gescheitert mit den Konsequenzen dieses Übergangs von einer offenen zu einer geschlossenen Welt zurechtzukommen.«, Kenneth Boulding

Was ist dieses – von Boulding, McLuhan und anderen eingeführte – »Spaceship Earth« (Raumschiff Erde), und wie kann es uns diese Idee weiterhelfen?

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Die Erde photographiert von der Apollo 8 Mission (1968)

Dann ist der Begriff der »Umwelt« an der Reihe. Macht dieser Begriff (und die traditionelle Umweltbewegung) heute überhaupt noch Sinn, oder verstellte er den Blick auf die Tatsache, dass wir in ein neues Erdzeitalter, das Anthropozän eingetreten sind und damit völlig neu über unser Verhältnis zur Welt nachzudenken haben?

»Wir waren immer verrückt, aber wir hatten nicht die Fähigkeiten die Welt zu zerstören. Jetzt haben wir sie.«, Nassim Taleb

Was wir angerichtet haben, fällt auf uns zurück. Niemand wird uns dabei helfen.

»Die Natur ist nicht länger am Steuer des Planeten, wir sind es. Es liegt in unserer Hand, was passieren wird.«, Mark Lynas

Was folgt aus dieser Aussage? Zunächst die Erkenntnis, dass ich in dieser Episode viele Türen öffne, viele Fragen aufwerfe und hoffe, zum Nachdenken und zur Diskussion anzuregen. In späteren Folgen, werde ich versuchen, verschiedene dieser Themen wieder aufzunehmen, auch in Gesprächen mit Gästen.

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February 17, 2020  

019 – Offene Systeme – Teil 1

Diese Episode weicht wieder etwas von den bisherigen ab. Sie ist so etwas wie eine »Brückenepisode«. Ich baue hier eine thematische Brücke über eine Reihe vergangener Episoden auf. Der thematische Faden ist »was bedeutet Offenheit in Wissenschaft, Technik und Politik/Gesellschaft«?

Ich blicke zurück auf die Episoden 2, 12, 11, 6 und 18 und bringe die Aspekte, die sich auf Offenheit beziehen in einen Zusammenhang:

  • Wissenschaftlicher Fortschritt und Kommunikation
  • ein Konflikt zwischen Ökonomie und Wissenschaft?
  • Ethische Fragen: wie können wir als Gesellschaft entscheiden?
  • Empirie und Kritik
  • Ergebnisoffenheit von Forschung
  • Zusammenspiel von Disziplinen
  • Erkenntnis und Demokratie

Diese Folge ist auch ein Teaser für die nächste Episode, in der ich mit zwei Experten dieses Thema diskutieren werde.

»Wer steuert Wissenschaft und Technologie in einer Demokratie, wenn die Menschen nicht die geringste Ahnung davon haben. […] Wissenschaft ist mehr als gesammeltes Wissen; es ist eine Art und Weise zu denken. Eine Art, skeptisch das Universum zu befragen – aber immer mit dem Bewusstsein der menschlichen Fehlbarkeit.«, Carl Sagan

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